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Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben - aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.
Hermann Hesse

Es gibt unglaublich viele und viele schöne Zitate zum Thema „Sinn“. Der Sinn meines Lebens hat mir lange Zeit ganz viel Stress bereitet. Tut es manchmal immer noch, wenn ich mich in wenig hilfreichen Gedanken verhasple. Eigentlich sollte es doch unser Leben einfacher machen, wenn wir den Sinn suchen oder gefunden haben. Warum hat es mich gestresst?

Lange Jahre habe ich mir keine großen Gedanken über den Sinn gemacht. Bei der Arbeit war ich latent unzufrieden, weil ich diese als nicht sonderlich sinnvoll empfand, aber es hat mich nicht zu sehr belastet. Es waren auch eher andere Themen, die wirklich mein Problem waren. So richtig angefangen über den Sinn nachzudenken und etwas zu suchen, was meinen Leben Sinn verleiht begann ich nach einem Seminar. In diesem Seminar hatten wir eine Übung zum Lebensplan gemacht. Die Aussage war, dass jeder sich vor der Geburt Aufgaben aussucht, die er in dem anstehenden Leben bewältigen möchte. Wir entscheiden manchmal auch, wen wir treffen möchten und ähnliches. Ich habe es damals so verstanden, dass wenn ich das gefunden habe, was ich mir vorgenommen habe, dann geht auf einmal alles ganz einfach. Weil ich in Übereinstimmung mit meinem Lebensplan und damit mit dem Universum handle.

Also versuchte ich mit allen Tricks dieses vergessene Wissen hervorzulocken. Es gab ein paar Dinge, die mich anzogen, aber ich hatte kein klares Bild. Also fing ich an in diese Richtung loszulaufen und scheiterte kolossal. Das rief natürlich Zweifel auf den Plan und ich fing hektisch an zu ändern. Der Knoten wollte und wollte aber nicht platzen. Zum Glück für mich kam die Schwangerschaft und die Geburt meiner Tochter „dazwischen“ und ich spendierte mir eine Sinn-Such-Pause. Stattdessen folgte ich einfach dem guten Gefühl und fing eine Ausbildung zum Meditationslehrer an. Mein Meditationslehrer hatte eine ganz andere Sicht auf diese Sinn-Sache. Er sagt „Der Sinn deines Lebens ist genau dieser Moment!“ Weiterhin sagt er: „wenn du immer im Moment bist und auf deine innere Weisheit hörst, dann entfaltet sich dein Leben genauso, wie es sein soll. Und langfristig kommst du nicht drum herum, deinen höheren Sinn zu leben. Ohne dass du dir deswegen Druck machen brauchst.“

Was bedeutet das für mich? Die ganzen Zweifel, der Stress, das Suchen – all das kann ich getrost vergessen. Das einzige wichtige ist, diesen Moment voll und ganz wahrzunehmen und zu leben. Diesen Moment anzunehmen und nicht darüber nachzudenken, wo ich gerne wäre und was ich doch besser alles Sinnvolles täte. Und wenn ich das mache, Moment zu Moment, entfaltet sich mein Leben in all seiner wundervollen Pracht.

Viele suchen das Glück, wie sie einen Hut suchen, den sie auf dem Kopfe tragen.
Nikolaus Lenau

Oder anders: Woher kommt denn dieses „ich muss was sinnvolles tun“ oder „ich muss meine Berufung finden und damit Geld verdienen“? Das kommt daher, dass wir uns vergleichen. Mit denen, die es „geschafft“ haben. Die eine lange Auszeit nehmen konnten um ihren Sinn zu finden und die damit dann tatsächlich ausreichend Geld verdienen um davon zu leben. (Mich würde mal interessieren wie viele Menschen eine Auszeit hatten um ihren Sinn zu finden und jetzt pleite sind oder wieder ihren alten Job machen.)

Das Problem ist – wir haben eine gewisse Vorstellung davon, wie ein sinnvolles Leben – das Leben der Berufung aussehen muss. Und damit vergleichen wir unser Leben. Und wenn es nicht dem entspricht, was wir denken wie ein sinnvolles Leben auszusehen hat, dann sind wir unzufrieden. Wenn wir uns aber mit etwas im Außen vergleichen, werden wir nie zufrieden sein. Denn ich werde immer etwas finden, was „besser“ oder eben „noch sinnvoller“ ist als das, was ich habe. Wie kann ich das ändern? Indem ich mir überlege, wie sich ein sinnvolles Leben anfühlt. Frage dich mal folgendes: Wenn ich nicht dort wäre, wo ich gerade (beruflich) bin – wäre das für alle Menschen dort ein Nachteil? Ohne überheblich sein zu wollen, kann ich das mit einem klaren „ja“ beantworten. Einfach dadurch, dass ich in diesem Team arbeite, ist es für die anderen einen Tick „besser“. Mein Chef hat das schon mehrfach gesagt, dass ich der Teamatmosphäre sehr gut tue. Es mag nicht viel sein, aber ich mache die Welt da ein Stück besser. Ich grüße morgens fast jeden, der mir über den Weg läuft. Auch für diese Menschen mache ich die Welt ein Stück besser. Muss es denn wirklich noch mehr sein?

Dass wir unser Leben als nicht sinnvoll genug empfinden kommt ganz oft auch daher dass wir denken, so wie es jetzt ist, ist es falsch. Mit uns ist etwas nicht richtig, weil wir keinen super tollen einflussreichen Beruf haben, für den uns alle bewundern. Und das kommt davon,  dass wir nicht im Moment sind. Wenn wir mit unserer ganzen Aufmerksamkeit im hier und jetzt sind, dann ist da kein Gedanke an Sinn. Oder Unsinn. Oder Geld verdienen. Oder nicht. Da ist nur dieser eine Moment, der gerade alles ist. Und der genau richtig so ist, wie er ist. Denn sonst wäre er ja anders.

Wir können manchmal ganz schön arrogant sein. „Ich weiß Gott, du bist allmächtig. Aber hier hast du einen Fehler gemacht. Das muss eigentlich anders sein.“

Oder nochmal anders: Vielleicht weiß ich, was mein Sinn ist. Oder ich denke ich weiß es. Aber was, wenn ich falsch liege? Was wenn mein Sinn darin besteht, dass ich das eine Mal, wenn ich zur Arbeit fahre, jemanden abbiegen lasse. Und dieser jemand dadurch entspannt zu einem Vorstellungsgespräch kommt. Und weil er so entspannt ist, bekommt er die Stelle, die daraufhin sein Leben zum Besseren verändert. Warum können wir nicht zufrieden sein, mit dem was wir haben? Wir können nicht alle Supercoach sein. Und Vorträge halten. Wir können nicht alle Supermodels sein. Wer sorgt dann dafür, dass die Supercoaches und Supermodels ihr Essen bekommen (ja auch Models essen habe ich mir sagen lassen). Und wen sollen sie denn coachen, die Supercoaches wenn wir alle Supercoach sind? Mancher Sinn mag ganz banal aussehen. „Ich sorge dafür, dass andere frisches Brot haben“. „Ich sorge dafür, dass mein Chef seine Termine nicht vergisst und somit unsere Firma erfolgreich bleibt“. Was ist mit diesen Menschen? Ja – ihr Leben ist nicht offensichtlich „glossy & shiny“. Aber es ist wunderbar sinnvoll. Weil sie es zulassen, dass es sinnvoll ist.

 

„Das Leben besteht nicht daraus, gute Karten zu haben, sondern mit denen, die du hast, gut zu spielen.“ Josh Billings

Es gibt so viele Geschichten von Menschen, die mit nichts und aus nichts etwas Sinnvolles tun. Einfach dadurch, dass sie das was sie tun mit Liebe tun. Und mit ganzem Herzen. Es ist ganz egal was wir tun, Hauptsache wir tun es mit ganzem Herzen. Und wir können alles mit ganzem Herzen tun. Sogar den Müll raus bringen (dazu empfehle ich Steve Chandler – „Right Now“).

„Der Sinn des Lebens ergibt sich aus unserem Tun.“ Fred Ammon

Der Sinn ist nicht unbedingt etwas das wir finden müssen. Es ist eine Entscheidung. Entscheide ich mich, mein Leben voll und ganz anzunehmen. Genauso, wie es sich gerade präsentiert. Und vertraue darauf, dass – was auch immer dafür gesorgt hat, dass ich mich genau hier befinde – einen größeren Plan hat. Wenn ich das tue, brauche ich mir keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob ich nun mit meiner Berufung Geld verdiene oder nicht. Denn für den Moment, bin ich am richtigen Platz. Natürlich darf ich versuchen in eine Richtung zu gehen. Solange ich offen dafür bin, was das Leben wirklich mit mir vorhat.

Außerdem – warum muss das was wir Sinnvolles tun auch unseren Lebensunterhalt sichern? Warum so viel Druck auf etwas, das uns doch erfüllen und glücklich machen soll. Klar ist es schön, wenn ich meine „Berufung“ irgendwann zum Beruf mache und damit genug Geld verdiene. Aber wenn nicht? So viel Ehrenamtliche gehen voll in dieser Tätigkeit auf und verdienen damit keinen Cent. Sie finanzieren sich das mit einem ganz normalen Job. Ist das wirklich so verkehrt? Ich glaube nicht.

Das Thema fesselt mich immer wieder. Denn manchmal habe ich auch immer noch diese Momente wo ich denke, dass ich kündigen und mich auf was Sinnvolles konzentrieren sollte. Die werden zum Glück immer seltener, denn mein Job macht mir total Spaß. Und ich tue dort und auch sonst ganz viel Sinnvolles. Aber ganz in Frieden bin ich noch nicht. Vielleicht eines Tages.

Ich würde mich freuen zu hören, was du darüber denkst. Schreibe doch einen Kommentar oder schreibe mir eine Email

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