Klein genug, um wirklich anzufangen
In meinem neusten Podcast habe ich davon erzählt, dass ich mir vorgenommen habe, jeden Tag 2000 Schritte mehr mit meinem Handy zu tracken, als ich im Durchschnitt die Jahre davor täglich hatte. Auf die Zahl kam ich durch einen Instagram-Post, wo es darum ging, wie man in 6 Monaten fitter werden kann. Die 2000 Schritte mehr sind das, womit man anfangen soll.
Eigentlich hört sich das nach ganz schön wenig an - nur 2000 Schritte. Warum hat man eigentlich immer gleich das Gefühl, dass das nicht genug wäre? Nun, zum einen vergleichen wir uns bewusst oder unbewusst immer. Und bei der täglichen Schrittzahl hat vermutlich jeder die "berühmten 10000" sofort parat. Dann fühlen sich 2000 Schritte schnell bedeutungslos.
Dabei stimmt das gar nicht. Tatsächlich ist sogar das Gegenteil der Fall. Die meisten wären mit 10000 Schritte jeden Tag völlig überfordert. Nicht nur körperlich, sondern auch zeitlich. Ist ein Ziel zu groß, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass wir es nicht erreichen und entmutigt aufgeben. Viel sinnvoller ist es also etwas zu wählen, was machbar ist. Machbar in unserem Leben. Mit der Zeit, Energie, Gesundheit und Motivation, die wir aktuell haben. Denn nur, wenn wir wirklich etwas tun, verändert sich auch etwas. Vielleicht langsamer, aber dafür nachhaltiger.
Für mich ist es total okay, wenn ich die nächsten Wochen und Monate bei genau dieser Zahl bleibe. Und durchhalte. Dann werde ich darüber nachdenken, ob ich noch etwas anderes dazunehme.
Das Prinzip gilt überall. Lieber nur fünf Minuten aufräumen oder nur eine Schublade als gar nicht. Lieber nur eine Seite lesen. Lieber nur eine Runde um den Block gehen.
Frage dich folgendes: "Was würdest du heute beginnen, wenn es egal wäre, wie weit du kommst?"
Was verbietest du dir?
Das Wetter hat ja zum Glück entschieden, dass es jetzt gut ist mit grau und nass und die Sonne hat die Regie übernommen. Auch wenn der Wetterwechsel etwas plötzlich kam und mein noch von der Grippe geschwächtes System den ersten Tag etwas zu kämpfen hatte, war ich darüber sehr froh. Mir war gar nicht bewusste gewesen, wie sehr mir die Sonne gefehlt hatte. Erst als ich dann wieder bei strahlendem Sonnenschein meinen Spaziergang gemacht habe, merkte ich, wie gut das tat. Also noch mehr als sonst eh schon.
Bei meinen Spaziergängen lasse ich üblicherweise meine Gedanken schweifen. Manchmal denke ich auch über etwas nach, aber meistens versuche ich das zu vermeiden. Also nicht das Denken an sich, denn das ist eh unmöglich. Sondern dass ich versuche irgendein Problem zu lösen. Als ich also so gemütlich durch die Gegend spazierte und einen anderen Weg als sonst einschlug, weil ich nach Veilchen schauen wollte, wanderten meine Gedanken zu meiner Abendroutine - wenn man sie denn so nennen will. Schon seit einiger Zeit merke ich, dass ich nicht zufrieden bin, wie ich meine Abende verbringe. Das liegt an mehreren Dingen. Zum einen bin ich ein Morgenmensch und habe meine aktive Zeit vormittags. Da bin ich am produktivsten und bekomme eine Menge erledigt. Je später der Tag, desto schwieriger wird es für mich, mich auf gewisse Dinge zu konzentrieren. Und deswegen versacke ich meistens auf dem Sofa. Entweder mit Internet oder mit Streaming. Das führt dazu, dass viele meiner privaten Projekte nicht so richtig weitergehen oder ich manchmal unter Zeitdruck gerate. Wie meine 100 MOCs. Dabei hätte ich eigentlich abends genug Zeit dafür.
Als ich so darüber sinnierte, warum ich abends eigentlich nicht noch ein bischen LEGO baue wurde mir bewusst, dass ich es mir nicht erlaube. Aus irgendeinen Grund denke ich, dass ich "verfügbar" sein müsste und in Rufweite. Was bei einem inzwischen fast 11-jährigem Kind nicht mehr nötig ist. Das weiß sich schon zu melden, wenn was wäre. Ich fand es äußerst spannend, dass da sowas mit dahinter steckt. Und ich glaube, dass es noch mehr Stellen in meinem Leben gibt, wo ich mir etwas nicht erlaube ohne es zu merken und deswegen was nicht so rund läuft, wie es könnte. Vielleicht entdecke ich ja noch mehr und mein Leben wird dadurch wieder ein Stückchen leichter.
Vorbei und vergessen
Bei meinem Podcast spreche ich aktuell über Dinge, die ich von meinen Katzen gelernt habe. Jetzt ganz aktuell hatten wir wieder ein Erlebnis wo ich dachte: "Katze - du bist uns weit voraus!"
Wir waren beim jährlichen impfen. Auch als Hauskatzen brauchen unsere Katzen das, denn bestimmte für Katzen wirklich gefährliche Viren könnten wir über die Schuhe einschleppen. Es geht schon los, wenn wir die Katzen in die Transportboxen stecken müssen. Die Kätzin (und um die geht es hauptsächlich) ist völlig entspannt: Leckerlie reinlegen, Katze geht rein, Tür zu. Der Kater ist da etwas komplizierter aber immer noch okay. Er hat keine Angst vor der Box, aber er geht nicht freiwillig rein. Also muss ich ihn reinsetzen. Das ist mit einem großen Kater nicht ganz so einfach. Beim Kater müssen wir dann auch die Box mit einem Tuch abdecken, weil er sonst Panik hat. Wenn es dunkel ist beruhigt er sich.
Die Autofahrt ist dann auch lustig. Vorne die Katze: motz! Hinter der Kater: jammer! Beim Tierarzt selbst sind sie dann wie zu erwarten ganz still. Aber die Katze würde auch dort am liebsten auf Entdeckungstour gehen.
Der Punkt, um den es mir geht kommt, wenn wir wieder daheim sind.
Beide Boxen hingestellt und Türen aufgemacht. Katze kommt normal raus, als wäre sie nur in einem Karton gewesen zum spielen. Der Kater: geduckt, verschwindet erstmal im Schlafzimmer unterm Bett. Die Katze: Sitzt schon wieder in der Transportbox.
Natürlich hat das unterschiedliche Verhalten was mit Charakter und dem Nervensystem zu tun. Aber trotzdem kann man hier was von unserer Katze lernen: Sie macht kein Drama aus der Vergangenheit. Es ist vorbei - es ist vergessen. Es ist ihr ja nichts passiert (im Sinne von sie lebt noch). Und dieses Verhalten ist sehr gesund. Es ist nicht so, dass sie "verdrängen" würde oder sich einfach nicht erinnert. Sie hat ein sehr gutes Gedächtnis. Obwohl ich nur selten mit ihr Clickertraining mache, weiß sie jedes Mal, was ich von ihr möchte, wenn ich "high five" mit ihr üben will. Sie hakt das ganze einfach ab. Nicht mehr aktuell, also warum soll ich mich damit belasten. Tiere können diesen Verhalten nicht bewusst beeinflussen. Wir Menschen aber schon. Wir können uns entscheiden, ob wir noch stundenlang (oder jahrzehntelang) uns immer wieder selbst mit alten Geschichten belasten. Und damit meine ich nicht, dass eine Erinnerung hochkommt. Das ist etwas, das außerhalb unserer Macht steht. Aber wir können beeinflussen ob wir diese Erinnerung dann ständig wiederholen oder sie einfach gehen lassen.
Heute ist ein schlechter Tag
Anfang des Jahres hatten wir einen ziemlich fiesen Infekt. Wir - das war tatsächlich die ganze Familie (außer den Katzen). Sogar meinen Mann hat es erwischt, wenn auch nicht so schlimm wie die Tochter und mich.
Vielleicht liegt es am Alter. Vielleicht an der Perimenopause. Vielleicht am Virus. Oder an allem zusammen.
Aber diesmal merke ich deutlich, wie lange mein Körper braucht, um alles wieder aufzuräumen.
Aus heiterem Himmel hatte ich eine Schleimbeutelentzündung in der rechten Hüfte. Nach nur 15 Minuten Schneidersitz. Sonst kann ich stundenlang so sitzen, ohne dass es mir etwas ausmacht.
Eine Woche später taten mir die Handgelenke weh - vom Ostereier-Umwickeln mit Wolle. Keine besonders anstrengende Tätigkeit.
Dann haben die Rückenmuskeln gestreikt, nach dem LEGO-Bauen mit der Tochter.
Alles ist empfindlich. Alles reagiert sensibel.
Und das ist ätzend.
Vor allem, wenn man nicht mal mehr seine Hobbys als Ausgleich nutzen kann.
Es gibt zwischendurch gute Tage, an denen sich alles schon fast wieder normal anfühlt.
Und dann gibt es Tage wie heute, an denen ich soooo müde bin - obwohl ich gut und eigentlich ausreichend geschlafen habe.
Tja. Was mache ich damit?
Nicht viel.
Beobachten.
Auf den Körper hören.
Und hoffen, dass es besser wird.
Wenn mein Kopf meint, auf mentale Abwärtsspirale gehen zu müssen, versuche ich, nicht mitzumachen. Das gelingt mal besser, mal schlechter.
Manchmal knuddele ich den Kater. Das hilft erstaunlich oft. Er ist weich, kuschelig und warm - und da kann ich kein Trübsal mehr blasen.
Und sonst halte ich es wie Anna aus Frozen 2:
nur der nächste Schritt.