Das Wetter hat ja zum Glück entschieden, dass es jetzt gut ist mit grau und nass und die Sonne hat die Regie übernommen. Auch wenn der Wetterwechsel etwas plötzlich kam und mein noch von der Grippe geschwächtes System den ersten Tag etwas zu kämpfen hatte, war ich darüber sehr froh. Mir war gar nicht bewusste gewesen, wie sehr mir die Sonne gefehlt hatte. Erst als ich dann wieder bei strahlendem Sonnenschein meinen Spaziergang gemacht habe, merkte ich, wie gut das tat. Also noch mehr als sonst eh schon.
Bei meinen Spaziergängen lasse ich üblicherweise meine Gedanken schweifen. Manchmal denke ich auch über etwas nach, aber meistens versuche ich das zu vermeiden. Also nicht das Denken an sich, denn das ist eh unmöglich. Sondern dass ich versuche irgendein Problem zu lösen. Als ich also so gemütlich durch die Gegend spazierte und einen anderen Weg als sonst einschlug, weil ich nach Veilchen schauen wollte, wanderten meine Gedanken zu meiner Abendroutine - wenn man sie denn so nennen will. Schon seit einiger Zeit merke ich, dass ich nicht zufrieden bin, wie ich meine Abende verbringe. Das liegt an mehreren Dingen. Zum einen bin ich ein Morgenmensch und habe meine aktive Zeit vormittags. Da bin ich am produktivsten und bekomme eine Menge erledigt. Je später der Tag, desto schwieriger wird es für mich, mich auf gewisse Dinge zu konzentrieren. Und deswegen versacke ich meistens auf dem Sofa. Entweder mit Internet oder mit Streaming. Das führt dazu, dass viele meiner privaten Projekte nicht so richtig weitergehen oder ich manchmal unter Zeitdruck gerate. Wie meine 100 MOCs. Dabei hätte ich eigentlich abends genug Zeit dafür.
Als ich so darüber sinnierte, warum ich abends eigentlich nicht noch ein bischen LEGO baue wurde mir bewusst, dass ich es mir nicht erlaube. Aus irgendeinen Grund denke ich, dass ich "verfügbar" sein müsste und in Rufweite. Was bei einem inzwischen fast 11-jährigem Kind nicht mehr nötig ist. Das weiß sich schon zu melden, wenn was wäre. Ich fand es äußerst spannend, dass da sowas mit dahinter steckt. Und ich glaube, dass es noch mehr Stellen in meinem Leben gibt, wo ich mir etwas nicht erlaube ohne es zu merken und deswegen was nicht so rund läuft, wie es könnte. Vielleicht entdecke ich ja noch mehr und mein Leben wird dadurch wieder ein Stückchen leichter.