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Im ersten Podcast dieses Jahr, habe ich über meine guten Vorsätze gesprochen. Oder eigentlich über meine nicht vorhandenen guten Vorsätze, weil ich das nicht mehr mache. Auch wenn ich dieser Tradition nicht folge, hat der Anfang des Jahres für mich einen gewissen Zauber. Dieses Jahr habe ich mir ein paar Tage Urlaub gegönnt und genieße es aus vollen Zügen, dass ich ein paar Dinge erledigen kann, die schon ewig auf meiner To-Do-Liste stehen.

Dabei ist mir etwas aufgefallen: Manche von den Dingen, die ich vor mir hergeschoben habe (aus diversen Gründen), waren mal wieder viel schneller erledigt, als ich gedacht hatte. Und – es war gar nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte. Einmal mehr, hat mich meine Fantasie ausgetrickst. In den schönsten Farben und mit Special-Effects habe ich mir ausgemalt wie etwas sein wird und mein Verhalten an diese Fantasie angepasst (eben Vermeidung). Dabei hatte die Realität nichts mit meiner Fantasie gemeinsam. Das Leben habe ich mir damit trotzdem lange schwer gemacht. Denn dieses „du weißt, dass du das noch machen willst“ und die damit verbunden unangenehmen Gefühle waren halt einfach da.

Und so habe ich tatsächlich doch noch einen guten Vorsatz – nicht für dieses Jahr, sondern ganz allgemein: Weniger drüber nachdenken, wie was sein wird und einfach machen. Dann ist es schneller erledigt und ich spare mir eine Menge Energie.

Heute ist mir mal wieder aufgefallen, wie sehr wir auf Ergebnisse fixiert sind und die Freude am Tun vergessen. Unsere Tochter saß bei uns im Büro auf dem Boden und malte. Mein Mann hat Rechnungen geschrieben und ich an einem Webinar teilgenommen. Als das erste Bild fertig war, reichte sie das Blatt meinem Mann und er fragte, was sie denn gemalt hätte. Ihre Antwort: „Irgendwas“. Ich musste daraufhin herzlich lachen. Das war so genial! Sie hat etwas gemalt. Warum müssen wir das immer definieren. Warum muss es „etwas“ sein? Sie malt einfach aus Freude am Malen. Ohne Ziel, ohne Leistungsdruck. Sie genießt einfach den Moment, den kreativen Prozess, ohne sich darum zu kümmern, ob es „toll“ ist. Ob es gut wird, ob wir darin etwas erkennen können.

Wir waren auch mal so. Wir haben das nur vergessen. Wir haben uns beigebracht (oder beibringen lassen), dass alles einen Sinn haben muss. Dass wir immer an das Ergebnis denken müssen, dass es ein Ziel geben muss. Damit schieben wir aber die Freude immer auf. Denn wenn etwas einen Sinn, Ergebnis oder ein Ziel hat, dann können wir erst zufrieden sein, wenn wir das finale Produkt vor uns haben und es mit dem abgeglichen haben, was wir uns vorgestellt haben. Dieser Vergleich geht dann auch noch selten zu unseren Gunsten aus. Irgendetwas finden wir immer, was wir kritisieren können.

Kinder finden ihre Gemälde, Bauwerke, Bastelarbeiten, usw. immer klasse. Weil es fertig ist. Das ist das einzige Kriterium, das sie haben. Sie vertiefen sich in den Schaffensprozess und an einem bestimmten Punkt beschließen sie – jetzt ist gut. Während der ganzen Zeit hatten sie Spaß und Freude. Das ist echte Lebenskunst. Lasst uns wieder mehr den Moment genießen und einfach irgendwas machen!

Seit letzten Jahr haben wir ja einen Schrebergarten und dadurch habe ich die Gelegenheit viele Dinge zu lernen. Als erstes habe ich gelernt wie man einen Zaun setzt. Und ja – er ist nicht perfekt geworden. Wenn ich jetzt einen Zaum setzen würde, würde ich es anders machen. Ich habe eben gelernt wie es besser und einfacher geht. Das macht nichts. Es ist der Zaun um den Schrebergarten. Als nächstes habe ich gelernt wie man fräst. Das war spannend und aufregend. Vermutlich werde ich dieses Wissen so schnell nicht mehr anwenden. Falls ich aber jemals wieder etwas fräsen muss, wird es leichter sein als beim ersten Mal. Dann habe ich gelernt, dass Rasen nicht so schnell wächst, wie man sich das wünscht. Und dass man ganz schön viel gießen muss, wenn das Wetter nicht mitspielt. Schließlich durfte ich lernen, wie man einen Brunnen bohrt. Macht Spaß, aber ist richtig anstrengend. Auch das würde ich anders machen, falls ich jemals wieder einen Brunnen bohren würde. Aber er funktioniert – das ist das wichtigste. Dieses Jahr habe ich gelernt wie man eine Gartenhütte baut. Und dass – auch wenn man die Hütte im Baumarkt gekauft hat – die Anleitung falsch sein kann. Wie alles andere im Garten ist auch die Hütte nicht perfekt. Was auch vollkommen egal ist. Es ist nur ein Schrebergarten und es war das erste Mal, dass ich eine Gartenhütte gebaut habe. Diese Woche habe ich gelernt, dass auch meine für Trockenheit ausgelegten Stauden gegossen werden müssen, wenn es zu lange trocken ist. Vermutlich sind mir ein oder zwei Pflanzen vertrocknet. Die Wurzeln der kleineren Pflanzen waren noch nicht tief genug und deswegen kamen sie nicht mehr an genug Wasser. Das merke ich mir und werde das ab jetzt genauer beobachten. Und dann rechtzeitig gießen.

Warum zähle ich das alles auf? Ganz oft trauen wir uns nicht mehr zu einfach etwas zu machen, weil wir Angst vor Fehlern haben. Aber Fehler sind normal und gehören dazu damit wir lernen. Klar – es gibt Fehler, da ist es sinnvoller, wenn wir die nicht machen – z.B. giftige Pilze essen. Da sollten wir auf die Erfahrung anderer vertrauen. Bei den meisten Dingen ist es vollkommen egal, ob es nicht gleich gelingt. Das ist nachhaltiges lernen. Diese Dinge werden wir vermutlich nicht mehr falsch machen. Und zusätzlich bauen wir dadurch echte Expertise auf. Sinnvoll ist es, dass wir uns nicht gleich etwas vornehmen, das perfekt werden „muss“, weil so viel auf dem Spiel steht. Ein Programmieranfänger sollte vielleicht nicht gleich ein Computerprogramm für autonomes Lenken schreiben – oder wenn dann nur für ein Spielzeug, damit er eben Fehler machen kann.

Von uns selbst erwarten wir zu oft, dass es gleich klappen muss. Das nimmt uns den Spaß und erzeugt jede Menge Druck. Also – einfach mal wieder was probieren und lernen beim Machen.

Wann hast du dir zuletzt einen Traum erfüllt? Ich meine einen echten, großen Traum. Nicht ein „ich gönne mir hier eine besondere Schokolade“. Tatsächlich habe ich mir gerade einen großen, lang gehegten Traum erfüllt. Vor sieben Jahren habe ich auf einem Kunsthandwerkmarkt das erste Mal eine Handpan gesehen und gehört. Und war sofort in das Instrument verliebt. Zu der Zeit gab es nur sehr wenige Handpans, weil das Instrument noch recht neu und jung war weswegen es nur eine geringe Zahl von Herstellern gab. Aus diesen Gründen waren sie noch sehr teuer. Die original „Hang“ kostete 10.000€. So viel war ich nicht bereit auszugeben. Es blieb also ein Traum. Für sehr lange Zeit.

Inzwischen gibt es glücklicherweise viele Hersteller und die Instrumente sind erschwinglich geworden. Immer noch teuer – aber für ein Instrument im „normalen“ Bereich. Trotzdem ist mir die Entscheidung nicht leichtgefallen. Die Entscheidung so viel Geld einfach in mich, in einen Traum zu investieren. In ein Hobby. Denn wir haben ja noch das Haus, und eigentlich hätte ich mit dem Geld die Möglichkeit zur Sondertilgung genutzt. Dieses Jahr wollte ich das nicht so wirklich. Schon seit Anfang des Jahres hat es in mir rumort. Immer wieder dachte ich an eine Handpan. Durch Zufall stolperte ich über eine Möglichkeit eine Handpan erst zu mieten bevor ich sie direkt kaufe. Damit war die Entscheidung gefallen. Denn so hatte ich die Möglichkeit erst auszuprobieren ob mir das Instrument wirklich liegt. Falls es doch nicht meins gewesen wäre, dann hätte es mich die Miete gekostet, was im Rahmen war.

Ja und nun bin ich stolze Besitzerin einer Luna-Handpan. Ich liebe meine Luna! Es macht mir so Spaß darauf zu spielen und selbst die „langweiligen“ Grundübungen, die notwendig sind, damit ich irgendwann mal richtig schnell spielen kann, machen mir Spaß und sind alles andere als langweilig. Jedes Mal, wenn ich spiele, bin ich vom Klang fasziniert und probiere immer wieder aus, was für Töne ich erzeugen kann. Für mich war es jetzt der richtige Zeitpunkt, diesen Traum wahr werden zu lassen.

Auf keinen Fall möchte ich vermitteln, dass jetzt jeder alle Bedenken über Bord werfen soll und einfach auf Teufel komm raus seine Träume erfüllen muss. Aber ich glaube, dass wir manchmal zu zögerlich sind und zu lange warten. Die Vernunft bekommt einen zu großen Anteil und wir reden uns unsere Träume immer wieder aus. Deshalb plädiere ich dafür einmal genau hinzuschauen. In meinem Fall hat mich „der Kredit, der unbedingt so schnell wie möglich abbezahlt werden soll“ davon abgehalten diesen Traum zu erfüllen. Dabei ist es so egal ob das Haus ein, zwei oder drei Jahre früher oder später abbezahlt ist. Wenn mir etwas passieren sollte, dann ist der Kredit abgesichert. Und möchte ich wirklich mein Leben damit verbringen nur auf ein „irgendwann“ hinzuleben, ohne wirklich zu leben? Ohne Freude, Spaß und auch mal Abenteuer? Ich möchte das nicht. Und jeden Tag versuche ich, eine gesunde Balance zu finden. Zwischen Vernunft und Traum.

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