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Vor zwei Wochen hat unsere Katze uns einen großen Schrecken eingejagt. Sie hat nicht mehr gefressen und getrunken. Bei einer jungen Katze ist das kein Problem. Wenn die sich mal den Magen verdorben hat, schaden zwei Tage fasten nicht. Unsere Katze ist aber schon über 18 Jahre alt und wegen ihrer Schilddrüsenüberfunktion – trotz Medikamenten – sehr dünn. Natürlich sind wir zum Tierarzt und es gab Infusion und eine Aufbauspritze. Dann hieß es abwarten, ob sie wieder anfängt zu fressen. An dem Tag ging es mir überhaupt nicht gut – wie man sich denken kann. Ein Tier, das einen fast 20 Jahre begleitet hat, ist ein Teil der Familie geworden. Dementsprechend konnte ich mir nicht vorstellen, dass sie wirklich jetzt sterben würde. Der Gedanke daran brauchte mich jedes Mal zum Weinen. Laut Tierarzt standen die Chancen 50:50 und mit meinem Mann sprach ich also darüber, was denn jetzt tatsächlich noch sinnvoll ist. Wir waren uns einig, dass wir versuchen ihr zu helfen, aber sie gehen lassen würden, wenn die Behandlung nicht innerhalb der nächsten Tage zu einer Besserung führt. Die Katze hatte bis zu diesem Zeitpunkt ein langes und schönes Leben gehabt und wir wollten nicht, dass sie ihre letzten Tage dann leidet.

Als dieser Plan feststand merkte ich, wie ich entspannte. Ich war sehr dankbar, dass ich die Chance hatte, noch Zeit mit meinem geliebten Haustier zu verbringen. Dass es mir also möglich war, nochmal ganz bewusst mit ihr zu kuscheln, ihr Schnurren zu hören. Ich dachte an all die schönen Momente, den Spaß, den wir hatten. Wieviel Freude und lachen sie in mein Leben gebracht hat. Mir war klar, dass ich nicht einfach so aufgeben würde, aber ich würde auch nicht verzweifelt ihr Leben versuchen zu verlängern, nur weil ich sie dann vermissen würde.

Was mir auch geholfen hat war meine Tochter. Auch sie wurde etwas traurig, dass Lucy vielleicht bald nicht mehr da sein würde. Aber Kinder sehen das alles noch pragmatischer. Meine Tochter hätte gerne junge Katzen, weil sie mit denen mehr spielen kann. Solang aber Lucy noch lebt, zieht keine weitere Katze ein. Das haben wir einmal probiert und es ging sowas von schief, dass ich es der alten Katze nicht noch einmal zumuten möchte. Meine Tochter ist viel mehr auf das Positive fokussiert – nämlich, dass dann zwei Katzenkinder bei uns einziehen werden. Deswegen findet sie es nicht schlimm, wenn Lucy stirbt. Sie weiß, dass Menschen und Tiere sterben (dank Yoda Vogelschreck hatten wir genug tote Mäuse und Vögel auf unserer Terrasse) und sie macht noch kein Drama daraus. Sie hat ihre eigene Art damit umzugehen und hat es mit ihren Kuscheltieren nachgespielt, dass die Katze vielleicht stirbt. Das hat mich erst sehr irritiert bis ich erkannte, dass das eben ihre Art ist das zu verarbeiten. Ich glaube, wir können da viel von Kindern lernen. Es kommt immer wieder vor, dass unsere Tochter sagt „Ich vermisse Yoda“ (das ist die Katze, die wir dazu geholt hatten, aber leider wieder abgeben mussten.). Das ist für sie aber nicht schlimm. Sie sagt es, wenn sie mal an Yoda erinnert wird. Und dann hat sie wieder einen anderen Gedanken und das Vermissen ist wieder weg. Genau so wird es auch mit Lucy sein. Und genau so sollte es auch für uns Erwachsene sein. Es ist okay, dass wir jemanden vermissen und dass wir dann auch mal traurig sind. Solange wir da kein Drama daraus machen und uns in der Geschichte verheddern, geht dieses Gefühl ganz natürlich wieder vorbei. Mit dem nächsten Gedanken der kommt.

PS: Die Katze hat sich erstmal wieder berappelt. Wir müssen sie weiterhin genau beobachten, aber zumindest aktuell scheint sie sich gegen das Sterben entschieden zu haben.

In einem der letzten Podcasts habe ich meine Gedanken geteilt, wozu wir Meditation brauchen. Da aber nicht jeder Podcasts hört, gibt es jetzt auch ein paar geschriebene Worte zu dem Thema.

Als ich anfing Meditation zu lernen, war das einfach ein Versuch etwas gegen meinen Stress zu tun. Das hat auch sehr gut funktioniert. Inzwischen – nach vielen Stunden Meditation und noch viel mehr Dingen, die ich lernen durfte – verstehe ich besser, warum es mir geholfen hat.

Ein Aspekt bei der Meditation ist, dass wir lernen können, unsere Gedanken nicht so ernst zu nehmen. Wie oft haben wir Gedanken der Art „Oh – ich muss unbedingt noch…“ und gleich rennen wir los. Wenn wir uns aber vorgenommen haben zu meditieren, dann lernen wir, dass wir eben nicht sofort losrennen brauchen, sondern dass wir warten können. Auf eine faszinierende Art, verallgemeinert unser Gehirn gelerntes. Das bedeutet, dass wir nicht mehr nur während der Meditation nicht mehr sofort reagieren, sondern auch in anderen Situationen. Je mehr Übung, desto mehr lässt sich dieser Effekt beobachten und desto breiter funktioniert er. Das ist das eine, warum Meditation unser Leben ruhiger macht.

Der andere Aspekt ist – wir nehmen uns regelmäßig eine Auszeit. Unsere modernen Leben sind von morgens bis abends vollgepackt. Gerne fällt dabei auch die Selbstfürsorge den vielen Terminen und To-Dos zum Opfer. Was nicht gesund ist. Weder für unseren Körper noch für unseren Geist. Da Meditation immer mehr zum Trend wird, können wir uns damit eine ganz offizielle und „angesehene“ Paus gönnen. Das ist viel wert! Viel mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Unser Geist (Kopf) braucht regelmäßige Pausen, sonst kann er nicht mehr richtig arbeiten. Natürlich könnten wir die auch anders haben, doch vielen fällt es leichter, wenn sie einen „Termin“ im Kalender haben. Wenn das dann die Meditation ist, dann ist es letztendlich sogar doppelt hilfreich. Also – Mut zur meditativen Pause!

Bald ist es soweit und meine Tochter wird eingeschult. Es ist unglaublich wie schnell diese sechs Jahre vergangen sind. Erst vor kurzem sagte jemand zu mir:

„Die Tage sind lang, aber die Jahre sind kurz“

Jetzt kommt dieser neue Abschnitt auf uns zu und ganz oft höre ich von Bekannten: „Das wird eine große Veränderung!“ Das finde ich sehr spannend. Klar – es ändert sich etwas, weil die Schule nicht am gleichen Ort ist wie der Kindergarten. Weil das mit den Ferien jetzt anders ist. Aber ändert sich nicht ständig etwas? Jeden Tag sind wir mit größeren oder kleineren Veränderungen konfrontiert. Schon das Wetter ist immer im Wechsel genau wie unsere Stimmung. Letztes Jahr war von heute auf morgen der Kindergarten für eine lange Zeit einfach zu. Ohne Vorwarnung. Auch damit mussten wir umgehen. Warum soll also der Wechsel in die Schule auf einmal so ein großes Ding sein? Und wenn wir Erwachsenen da so ein großes Ding daraus machen – bringen wir unseren Kindern dann nicht unbewusst bei, dass Veränderungen etwas Schlechtes sind? Aus den letzten 18 Monaten habe ich vor allem eines gelernt: Kinder gehen mit Veränderungen sehr entspannt um. Solange sie jemanden an der Seite haben, auf den sie sich verlassen können. Das wird sich mit dem Eintritt in die Schule bei uns nicht ändern. Wir sind für sie da. Und ihre Freunde sind da. Und viele andere liebe Menschen, die sie begleiten.

Und wer bewertet eigentlich die „Größe“ und wie sehr mir die Anpassung schwerfällt? Diese Woche durfte ich mein Passwort bei der Arbeit mal wieder ändern. Seit der letzten Änderung wurden die Passwortregeln angepasst und so war ich gezwungen mir etwas ganz Neues zu überlegen. Normalerweise brauche ich einen Tag, bis ich das neue Passwort wieder ganz automatisch tippe. Diesmal nicht. Seit jetzt vier Tagen muss ich immer noch nachdenken, wie das Passwort nun heißt und vertippe mich regelmäßig. Eine eigentlich „kleine“ Veränderungen, die mich seit mehreren Tagen beschäftigt.

Veränderungen ob „groß“ oder „klein“ können etwas sehr Spannendes und Schönes sein. Eine Chance. Ein Neubeginn.

Ich weiß nicht, ob das ein Phänomen ist, das nur Eltern kennen oder ob das auch bei Kinderlosen bekannt ist. Aber ich erinnere mich noch gut, als meine Tochter das erste Mal alleine mit Freunden gespielt hat. Ohne dass ich dabeibleiben musste. Weil das so unerwartet kam, wusste ich tatsächlich nicht, was ich tun sollte. Das war in meiner Welt so lange nicht vorhanden gewesen, dass ich spontan Zeit zur Verfügung hatte, dass ich in gewisser Weise überfordert war. Der Moment der Überforderung und Verwirrung hielt nicht lange an und ich setzte mich einfach auf das Sofa und tat – nichts. Was wirklich schön war. Einfach ungestört auf dem Sofa sitzen.

Wie lange genau ich auf dem Sofa saß, habe ich mir nicht gemerkt. Es war aber bestimmt eine viertel Stunde. Dann kam auf einmal der Gedanke – du könntest mal wieder Klavier üben. Dafür hatte ich so gut wie nie Zeit und das war genau der richtige Moment dafür. Bald darauf wurde meine Gesellschaft wieder gewünscht und die Pause war vorbei.

Obwohl das jetzt schon eine Weile her ist und ich inzwischen sehr viel häufiger „freie“ Zeit habe, kommen diese Momenten der Planlosigkeit immer noch vor. Ich glaube, das liegt daran, dass meine Tage üblicherweise sehr durchgeplant sind. Durchgeplant bedeutet bei mir, dass ich ungefähr eine Ahnung habe, was ich an dem Tag machen möchte. Es bedeutet nicht, dass alles dicht an dich liegt ohne Pausen. Wir „planen“ uns ganz viel Zeit ein, um spontan zu entscheiden, was wir machen wollen. Beziehungsweise unsere Tochter darf entscheiden. Ab und zu ändert sich dieser „Plan“ aber mal, weil sie eben auch spontan entscheidet, dass sie zu Freunden möchte.

Dann kommt meist genau diese – „Und was soll ich dann jetzt tun?“ Und genau so wie ich beim ersten Mal keine Antwort erzwungen habe, sondern die Gelegenheit „genutzt“ habe, zur Ruhe zu kommen. So mache ich das heute immer noch. Wenn ich mal spontan eine Pause bekomme, dann nutze ich die auch um wirklich Pause zu machen.

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