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Seit ich darauf achte, wie oft ich meine Gefühle mit einem „weil“, „wegen“ oder „über“ begründe, frage ich mich auch, warum wir das eigentlich ständig machen.

Letztendlich haben wir es einfach so gelernt. Schon als Kinder haben wir erlebt, wie die Erwachsenen ihre Gefühle erklärt haben. Und die haben es wiederum von ihren Eltern übernommen. Niemand hat ihnen gesagt, dass sie das gar nicht müssen. Dass die Gefühle nicht von dem verursacht werden, was passiert - den Umständen - sondern von unseren Gedanken. Dazu kommt unser Verstand, der unglaublich schnell darin ist, Erklärungen zu finden. Der möchte verstehen, warum etwas passiert. Und natürlich soll die Erklärung möglichst logisch sein. Wenn ich mich ärgere, dann muss es schließlich einen Grund dafür geben. Wenn gerade irgendwas los ist, dann ist das doch eine prima Gelegenheit, das als Ursache zu nehmen.

Das Problem ist nur, dass ich mich mit dieser Erklärung oft noch viel länger ärgere. Ich erzähle mir immer wieder, was der andere gemacht hat und warum ich mich völlig zu Recht darüber aufrege. Und schon bin ich wieder mittendrin. Dabei muss ich meinen Ärger überhaupt nicht rechtfertigen. Ich kann einfach ärgerlich sein. Und wenn ich nicht ständig neue Gedanken dazu produziere, verschwindet das Gefühl irgendwann ganz von selbst.

Das finde ich inzwischen ziemlich befreiend. Ich muss nicht erst herausfinden, wer oder was schuld ist. Ich darf mich ärgern, ohne eine Geschichte daraus zu machen.