...passiert das *für* mich? Das ist die Frage die wir uns stellen sollten. Die meisten Menschen fragen sich: "Warum passiert *mir* das?" Was ist der Unterschied? Nun - die zweite Variation bringt uns in eine Opferrolle. Ich armes Ding, was mir da nur wieder passiert. Mit der zweiten Fragen kommen wir aus der Passivität. Und das ermöglicht uns Einfluss zu nehmen. Das hört sich alles wieder einfach an. Und eigentlich ist es das auch. Das blöde ist nur - auch wenn wir *verstanden* haben, wie das gemeint ist (also wir können es irgendwie logisch erklären), heißt es nicht, dass wir es *begriffen* haben. Der Unterschied ist klein und fein. Bei mir hat es auch erst die Tage "klick" gemacht. Auf einmal habe ich begriffen, dass wirklich alles was mir bisher im Leben passiert ist dazu da war, mich etwas zu lehren. Mich weiterzubringen. Meinen Horizont zu erweitern. Mehr Mitgefühl zu entwickeln. Die Blickrichtung zu wechseln. Demütiger zu werden. Mehr an mich zu glauben. Die Liste ist endlos. Ich weiß nicht, was der Auslöser war, dass ich es endlich begriffen habe. Also nicht nur logisch vom Verstand, sondern wirklich mit dem Herzen. Und jetzt hilft mir diese Frage, mich von dem Geschehen zu distanzieren. Und dadurch offen zu werden für das was passiert und es annehmen zu können. Das klappt auch jetzt noch nicht immer, nicht sofort, und nicht perfekt. Doch es wird besser. Und mein Leben dadurch wieder etwas entspannter.

Heute möchte ich einen Link zu einem Tedx Talk von Robert Holden teilen. Es geht um Tee. Und um mehr. Das Video ist leider nur in Englisch ohne Untertitel verfügbar. Wessen Englisch aber gut genug ist, sollte es sich unbedingt anschauen!

In seiner Rede philosophiert Robert über das "mehr" in unserer Gesellschaft. Um das zu illustrieren nimmt er den Tee als Beispiel (er ist Brite). Früher war es ganz einfach. Wenn man Besuch bekam fragte man, ob derjenige eine Tasse Tee möchte und die Antwort war ja oder nein. Denn im Grunde gabe es nur zwei Sorten. Einen starken Tee für den Morgen. Und einen sanfteren für den Nachmittag. Es gab noch ein paar andere Sorten, aber die waren nicht so wichtig. Und dann fing es an, dass es Kräutertees gab. Und dann Kräuterteemischungen. Und dann Yogi-Tees. Und Tees zur Entspannung, zum Abnehmen, für die Knie, für gute Laune,... Und wenn man heutzutage jemanden fragt, ob er eine Tasse Tee möchte, dann heißt es "was hast du denn da?"

Das dumme an der Sache ist - obwohl wir jetzt zwischen so vielen Tees wählen können sind wir trotzdem nicht glücklich. Nicht glücklicher. Woran liegt das? Diese ganze Auswahl an Dingen - sei es jetzt Tee, Joghurt oder unsere Urlaubsorte hat uns zu Konsumenten gemacht. Wir sind aber viel mehr als Konsumenten. Wir sind spirituelle Wesen. Und wenn wir uns auf das zurückbesinnen, was wir wirklich sind, merken wir, dass wir gar nicht so viel Tee brauchen. Alles ist genau richtig so wie es ist. Das einzige, was es vielleicht mehr braucht ist: Mehr unseres wirklichen Selbst.

Vor wirklich ewiger Zeit hatte ich einem Kollegen etwas geliehen. Zum damaligen Zeitpunkt wollte ich es nicht mehr haben, aber zum wegwerfen war es mir zu schade. Wie es die Zeit so will, war mir der Gegenstand eingefallen und ich dachte mir, dass es doch ganz nett wäre ihn wieder zu haben. Als mir der Kollege zufällig über den Weg lief, sprach ich ihn darauf an. Er war etwas überrascht, dass ich danach fragte und gestand mir, dass er den Gegenstand beim Umzug in sein neues Haus entsorgt hatte. Sofort spürte ich Ärger in mir hochsteigen, den ich aber für mich behielt. Der Kollege meinte nämlich, dass der Gegenstand defekt gewesen sei. Ich behielt die Kontrolle über meine Gefühle und wir gingen unseres Weges. Aber in mir brodelte es. Und ich versuchte es mir schön zu reden. Dass es doch keinen Grund gäbe, dass ich mich aufrege. Das Ding wäre jetzt eh total veraltet, usw. usf. Erst Stunden später wurde mir bewusst, dass ich versuchte die Wut zu unterdrücken. Und es wurde mir klar, dass es okay war, dass ich ärgerlich war. Der Kollege hatte ohne Rückfrage etwas weggeworfen, das ihm nicht gehörte! Und kaum, dass ich mir erlaubte die Wut zu spüren rauschte sie durch mich hindurch und war verschwunden. Ich musste lachen und war dann wirklich froh, dass der Kollege den Gegenstand entsorgt hatte. Denn ich wäre nicht dazu in der Lage gewesen. Egal ob defekt oder nicht. Ich hätte versucht ihn zu reparieren, weil er nämlich mal ein Geschenk war.

In "Frieden mit Gefühlen" hatte ich schon geschrieben, dass es bei Mind Calm darum geht, dass wir lernen alle Gefühle anzunehmen. Das kann aber manchmal schwierig sein, weil unser Verstand so schnell reagiert, dass wir gar nicht wahrnehmen, wie wir die Gefühle wegdrücken. Und diese Episode hat mir gezeigt wie schnell das geht, dass wir uns ein Gefühl nicht erlauben. Vorallem Wut und Ärger. Versucht mal darauf zu achten. Wut und Ärger ist erstmal nichts schlimmes. Es zeigt lediglich an, dass eine Grenze überschritten wurde. Wie wir dann damit umgehen - darauf kommt es an.

 

Oft gehört und doch ist es nicht so einfach - "nur wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch andere so annehmen, wie sie sind". Und vielleicht denke ich sogar, dass ich mich selbst lieben. Ganz logisch betrachtet ist das doch auch einfach. Ich "weiß" doch, dass cih ein wertvoller Menschen bin. Dass ich viel kann, geleistet habe usw. Manchmal ist es aber so, dass das ganz tief vergraben ist. Vom Verstand her halte ich mich für wertvoll.

Aber da gibt es diese leise Stimme... Und das führt dazu, dass ich in anderen Menschen das ablehne oder mich das nervt, was ich auch in an mir selbst ablehne. Ich reagiere gereizt, will dass der andere sich ändert, dass er mir doch endlich zeigt, wie sehr er mich liebt. Das ist ein Symptom, dass ich mich nicht komplett liebe.

Das andere Symptom ist - wie rede ich mit mir selbst? Achte mal darauf, wie du reagierst, wenn dir etwas misglückt. z.B. wenn dir etwas runterfällt. Beschimpfst du dich? Oder zuckst du innerlich mit den Schultern. Wie beurteilst du deinen Körper? Bist du missmutig, weil du krank bist? Oder weil er nicht so aussieht wie du es gerne hättest? Ganz oft ist man zu sich selber ziemlich gemein. So gemein wäre man nie zu jemand anderen. Und dann behaupten wir, dass wir uns selbst lieben? Wohl kaum... ;-)

Und was kann ich für mehr Selbstliebe tun? Klar - regelmäßig meditieren hilft. Zum einen hilft es mehr Abstand von allem zu gewinnen außerdem löst es Stress auf. Gezielt an Themen arbeiten ist auch eine gute Möglichkeit. Und ein bisschen auf die Gedanken achten. Und aufhören, sich selbst zu beschimpfen. Das klappt nicht gleich und nicht immer. Aber auch hier gilt - Übung macht den Meister :-)

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