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Ich bin ein großer Freund davon, Dinge auf mehreren Ebenen zu adressieren um so gleichzeitig mehrere Ursachen ansprechen zu können. Als ich das letzte Mal bei meiner Chiropraktikerin war meinte sie, ich soll bei der Meditation darauf achten, dass ich die Schultern nach unten nehme. Mein ganzer Brustkorb war "zu" und ich konnte nicht mein komplettes Lungevolumen ausschöpfen. Den Rat nahm ich mir zu Herzen und seitdem achte ich immer häufiger auf meine Schulterhaltung. Und mir ist etwas aufgefallen. Ich ziehe die Schultern tatsächlich sehr oft hoch. Nicht extrem, aber doch so ein bisschen. Und irgendwann wurde mir auch klar warum - weil ich mich lange sehr unsicher fühlte. Durch das Hochziehen der Schultern wollte ich mich unbewusst schützen. Was daran spannend ist - ich fühle mich nicht mehr unsicher. Dieses Körpermuster ist aber offensichtlich noch gespeichert. Diese Haltung ist so "normal" für mich geworden, dass ich sie einnehme, obwohl ich mich sicher fühle. Und was noch spannender ist - diese Haltung führt dazu, dass die alten Gedankenmuster leichter wieder aktiviert werden. Körper und Geist sind mit einander verbunden und durch diese Körperhaltung habe ich meine Gedanken beeinflusst. Das geht auch in die andere Richtung. Es gibt Studien wo man Teilnehmern einen Bleistift gab und sie diesen mit den Zähnen halten sollten (gleicht einem Lächeln). Diese Teilnehmer fanden ein Comic, das sie lasen lustiger, als Teilnehmer ohne Bleistift oder solche, die den Bleistift mit den Lippen hielten (gleicht mürrischem Gesicht).

Was sagt mir das jetzt? Dass ich in Zukunft mehr darauf achte, welche Körperhaltung ich einnehme. Denn es ist viel einfacher, wenn ich gar nicht erst bestimmte Gefühle und Eindrücke "künstlich" erzeuge. Also: Schultern runter, Mundwinkel nach oben und Luftsrpünge machen ;-)

Heute Morgen hat es mal wieder „klick“ gemacht. Ganz ehrlich – ich habe überhaupt keine Ahnung warum gerade in diesem Moment. Und warum ich das noch nicht vorher kapiert habe. Der Witz ist, dass ich die ganze Zeit „wusste“, dass es nur meine Gedanken sind, und trotzdem hat es sich real ANGEFÜHLT. Was ist passiert? Unsere ältere Katze braucht zweimal am Tag Tabletten. Sie hat Probleme mit der Schilddrüse. Morgens gebe ich die Tabletten, abends mein Mann. Und wer nicht weiß was es bedeutet einer Katze Tabletten geben zu müssen, der liest bitte erstmal dies (http://lustich.de/community/forum/5624-Wie-man-einer-Katze-eine-Table/). Zum Glück ist unsere Katze nicht ganz so schlimm. In einer Leckerli verpackt frisst sie die Dinger fast immer. Aber eben genau das. Nur fast. Und ab und zu passiert es meinem Mann, dass er nicht sieht, dass die Katze die Tablette doch wieder ausgespuckt hat. Dann finde ich sie am nächsten Morgen und rege mich fürchterlich auf, dass er nicht aufgepasst hat, weil die Katze doch ihre Tablette braucht.

Und heute Morgen als ich ihr die Tablette gebe macht es auf einmal „klick“ und ich denke: „Ist doch kein Drama, wenn sie die blöde Tablette einmal nicht frisst. Wieso regst du dich darüber so auf?“ Und mir wurde so klar, dass _ich_ daraus ein Drama mache. Die Situation ist nicht per se ein Drama. Es ist einfach eine vergessene Tablette. Und mal ehrlich – sie hat wochenlang gar keine Tabletten gehabt, weil wir nicht wussten, dass sie krank ist. Und ja – jetzt wo ich das sehe frage ich mich – wieso hast du das die ganze Zeit nicht kapiert. Und genau hier kommt der wichtige Punkt.

Ich kann nur sehen, was ich sehe und nur dann, wenn ich es sehe. Ich brauche mich jetzt nicht fertig machen. Irgendwas war genau in diesem Moment so, dass dieser Gedanke bei mir Fuß fassen konnte. Und zwar so wirklich, nicht nur als Theorie oder Konzept. Wir können das nicht erzwingen. Wir können nur offen dafür sein und immer wieder in Frage stellen, ob das was wir denken, wirklich wahr ist. Und irgendwann sehen wir, dass die Realität eine andere ist. Und wir uns das Drama und Chaos nur gemacht haben. Auch wenn es dir intellektuell klar ist, dass es nur Gedanken sind, solange du nicht die Einsicht hattest, dass es wirklich (ja wirklich!) so ist, nützt das alles nicht. Und da wir das nicht erzwingen können, sei einfach sanft zu und mit dir selbst.

In einer Coaching-Sitzung kam ein wunderbares Beispiel hoch, wie wir mit unseren Gedanken die Welt erschaffen. Es ging darum, wie wir andere Menschen sehen z.B. unseren Partner. Und wie das gleiche Verhalten in unterschiedlichen Situationen völlig anders bewertet wird. Das von außen beschreibbare Verhalten ist: ruhig, macht alles in seinem Tempo. Je nachdem in welcher Situation wir uns befinden wird dieses Verhalten entweder als "tiefenentspannt, gibt mir Sicherheit" oder "transusig, kommt nicht in die Pötte und nervt mich damit" erlebt. Der andere hat nichts anders gemacht. Er ist wie er ist und lebt sein Leben in seinem Tempo. Was ist der Unterschied? Die Gedanken, die ich habe und die damit verbundenen Gefühle. Im einen Fall denke ich etwas in der Art "es ist toll, dass er so ruhig bleibt, obwohl drum herum Chaos herrscht; durch sein Vorbild fällt es mir leichter auch ruhig zu bleiben" im anderen Fall denke ich "wieso kann er sich nicht einmal beeilen? wir wollen los und ich möchte gerne pünktlich sein" Es kommt einfach darauf an, was bei uns im Kopf abläuft. Und das hat nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun, was im Außen geschieht. Einmal fällt meine Bewertung positiv aus und einmal negativ. Aber beides ist eigentlich nur Einbildung, denn objektiv gesehen ist das was geschieht nichts von beiden. Es ist einfach...

Jeder Blog-Eintrag ist eine Gratwanderung. Denn ich versuche etwas zu beschreiben und in Worte zu fassen, wofür es keine Worte gibt. Und jede Beschreibung greift zu kurz. Man kann es nur erfahren. Aber woher weiß ich, dass ich dann auch wirklich das erlebt habe, was der andere mir beschrieben hat? Letztendlich gibt es dafür keine Garantie. Aber die Art und Weise wie man es dann selbst beschreibt, gibt einen sehr guten Hinweis.

Man kann es mit folgender Situation vergleichen:

Ich sehe am Himmel einen Heißluftballon und möchte den meiner kleinen Tochter zeigen. Sie hat vorher noch nie einen Heißluftballon gesehen. Wenn ich also sage "schau mal - ein Heißluftballon" dann wird sie erstmal überall hinschauen, weil sie keine Ahnung hat wovon ich rede. Also sage ich ihr, dass der am Himmel ist. Sie schaut also in Richtung Himmel. Sieht ihn aber immer noch nicht. Ich erkläre, dass das wie ein Luftballon ist nur viel größer und eben oben am Himmel. Ich sage welche Farbe er hat und zeige in die Richtung wo der Ballon ist. Vermutlich sieht sie ihn jetzt. Es kann auch passieren, dass sie mir dann beim spazieren gehen einen Heißluftballon zeigen möchte. Und wenn ich schaue sehe ich, dass sie zwar etwas großes, rundes am Himmel entdeckt hat - aber es ist kein Heißluftballon. Es sieht nur ähnlich aus. Also erkläre ich ihr den Unterschied. Beim nächsten Mal, wenn wir dann wieder einen Heißluftballon sehen geht das ganze schon schneller, da sie schon einmal das Erlebnis "Heißluftballon" hatte und sich vielleicht noch erinnert. Irgendwann habe ich ihr genug Heißluftballons gezeigt, dass ich sicher bin - sie weiß jetzt was ich meine, wenn ich von Heißluftballon spreche. Eines Tages haben wir dann die Gelegenheit einen Heißluftballon aus der Nähe zu betrachten. Ich zeige ihr den Korb, sie sieht wie der Brenner zündet und ich erkläre wie dadurch die Luft erwärmt wird. Nach so einem Erlebnis hat sie nochmal ein ganz anderes Verständnis von "Heißluftballon".

Genau so ist es, wenn ich von der Stille in uns spreche. Ich zeige in eine Richtung. Ich erkläre wie sich das anfühlt, was es bedeutet. Am Anfang weiß man aber gar nicht wovon ich eigentlich spreche. Es ist ein Konzept. Eine Idee. Und dann irgendwie und irgendwann kommt ein Erlebnis von Stille. Und dann kann man es mit eigenen Worten beschreiben. Und jetzt weiß man, was es ist. Beim nächsten Mal erkennt man es schon viel leichter. Und mit jedem Erlebnis versteht man es besser und es wird leichter.

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